Interview mit Steffen Kern

Eine missionarische Initiative der Apis zur Gründung und Belebung von Kleingruppen – für Kirchengemeinden und Gemeinschaften Menschen zum Glauben zu führen und ihnen Wege in die Gemeinde zu eröffnen – das ist eine Herausforderung, vor der Kirchengemeinden und Gemeinschaften dauernd stehen. Nun gibt es eine neue Initiative aus Württemberg, die in Kirchengemeinden und Gemeinschaften missionarische Akzente setzen will. Entwickelt wurde sie von den Apis. Rainer Holweger sprach mit ihrem Vorsitzenden Pfarrer Steffen Kern, der das Projekt leitet und Autor des dazugehörigen Buches ist.

 

Wie kam es zu der Idee, dieAktion »Ich lebe gern« ins Leben zu rufen?

Das Grundanliegen ist, Menschen zu erreichen, die bisher kein Zuhause in der Gemeinde oder Gemeinschaft haben. Das geschieht am besten, wenn wir die  Fragen aufgreifen, die viele bewegen und umtreiben. Wir knüpfen an an die Sehnsucht nach Glück und Geborgenheit. Wir reden etwa über die  zwischenmenschlichen Beziehungen zu Eltern, zum Partner, zu Freunden, zu Kollegen. Wir reden darüber, wie wir unseren Platz im Leben finden und eine persönliche Berufung entdecken. Wir reden über Sorgen, die uns auf der Seele liegen. Wir reden über Geld und Besitz und darüber, wie wir unsere Zeit sinnvoll  einteilen.
Kurzum: Es geht um das Leben. Und da bringen wir das Evangelium ins  Gespräch.

Wie sieht das Konzept der Aktion aus?

Zunächst gibt es ein Buch, das diese Lebensfragen stellt. Leicht und  unterhaltsam – und doch voller Evangelium. Dieses Buch sollte man einfach  einmal selbst lesen. Man kann es verschenken und weiter geben. Idealerweise aber lädt man dann Menschen aus dem persönlichen Umfeld ein, Nachbarn,  Freunde, Kollegen, und gestaltet drei, fünf oder acht Abende. Jeder liest das Buch für sich zuhause – und an den gemeinsamen Abenden tauscht man sich über die Lebensfragen aus. So kommen wir auf Wesentliches zu sprechen. Anregungen dazu gibt ein Begleitheft zum Buch. Da ist exakt beschrieben, wie man so einen Abend gestalten kann. Natürlich eignet es sich auch ideal, um es im Hauskreis oder im Frauenfrühstück zu lesen.
Übrigens, dahinter steckt eine tiefe Überzeugung: Erst wenn wir miteinander
ehrlich über wesentliche Lebensfragen ins Gespräch kommen, reden wir auch  ehrlich über den Glauben. Wer mit den Leuten immer nur übers Wetter redet, kommt nie auf Jesus zu sprechen. Und wenn, dann ist das kaum glaubwürdig. Aber wenn wir über die tiefgehenden Themen unseres Alltags reden, dann ergibt sich das Gespräch über die Hoffnung, die in uns ist, ganz organisch.

Bücher zur Lebensberatung liegen im Trend – Werner Küstenmachers »Simplify your Life« und Eckard von Hirschhausens »Glück kommt selten allein« sind gefragt. Wird »ich lebe gern« der neue Bestseller zur Lebensberatung aus christlicher Sicht?

Na, das wäre schön! Aber es geht uns ja nicht um Verkaufszahlen. Trotzdem wünschen wir uns eine große Verbreitung des Buches. Darum haben wir auch  einen Staffelpreis für das Buch bekommen: Wer fünf Bücher oder mehr kauft, bezahlt nur 7,95 statt 9,95 Euro pro Buch. Das finde ich klasse. Das erleichtert es, gleich einen Stapel für eine Kleingruppe zu kaufen. – Na ja, und inhaltlich knüpfen wir an die beiden genannten Bücher schon an. Das Buch soll unterhaltsam sein und zugleich eine echte Hilfe zum Leben, mehr noch: eine Hilfe zum Glauben.

Jesus hat seinen Jüngern ja nicht Wohlstand und ein entspanntes Leben verheißen, sondern spricht von Verfolgung und Leiden. Wie verträgt sich das Motto »ich lebe gern« mit den sperrigen Seiten des Glaubens?

Das ist vollkommen richtig: Glauben hat nichts mit »Wellness für die Seele« zu  tun. Ich propagiere keinen Wohlfühl-Glauben, im Gegenteil: Im Buch wird das sehr deutlich: Die Schattenseiten des Lebens kommen vor. Es geht auch um  Sorgen, um Ängste, um Belastungen, eben um all das, was das Leben schwer macht. Auch von Schuld wird gesprochen. Und doch reden wir gerade angesichts des Leids von der Freude, die Gott schenkt. Von der Freiheit der Vergebung. In der Bibel ist über 200 mal von der Freude die Rede. Das  Evangelium ist frohe Botschaft. Die trägt uns gerade auf den Durststrecken unseres Lebens. Wer Jesus kennt, kann das immer wieder sagen, vielleicht sogar unter Tränen: »Ich lebe gern.« Dieses tiefe Glück des Glaubens wollen wir vermitteln. Das ist mehr als eine oberflächliche Spaßmacherei. Es geht auch  nicht um eine fromm angestrichene Comedy-Kultur nach Mario Barth und Co, sondern um die Freuden-Mentalität, zu der schon Paulus die Philipper einlud: »Freut euch in dem Herrn. Und ich sag’s nochmal: Freut euch!« Genau das sagen wir auch.

Was muss jemand tun, der sich an der Aktion beteiligen will?

Einfach Buch und Begleitheft kaufen, lesen und loslegen. Es ist ja ganz  niederschwellig angelegt. Jeder kann mit dem Buch und Begleitheft anfangen,  selber lesen und Gäste einladen. Es ist unser Wunsch, dass so neue Gruppen und Kreise entstehen – und natürlich auch bestehende Kreise neu vertieft werden. Das kann jede Einzelperson angehen, jeder Hauskreis, aber auch jede Gemeinde. Das ist eine Idee von uns Apis, aber längst nicht nur für uns. Es ist ein Angebot für jede Kirchengemeinde. Man kann etwa eine thematische  Gottesdienstreihe über ein paar Wochen gestalten und unter der Woche in Kleingruppen das Buch lesen. Material, Plakate, Infos und weitere  missionarische Ideen gibt es übrigens auf der Website zur Aktion: www.ich-lebe-gern.info.

Welche Resonanz hat die Aktion bisher gefunden?

Das Buch findet bislang großes Interesse. Im Api-Land werden an  verschiedensten Orten »Ich lebe gern«-Themenabende geplant, einige haben schon begonnen.
Wir sind gespannt, was weiter geschieht. Wachstum und Gedeihen liegen in Gottes Hand. Das ist immer so im Reich Gottes, auch bei dieser Initiative. Übrigens ist es einfach mal ein missionarisches Konzept zum Gemeindeaufbau, das nicht aus den USA kommt, sondern aus Württemberg. Nur dass keine  Missverständnisse entstehen: Ich sehe viel Gutes bei Willow Creek, aber im Schwabenland können wir auch was entwickeln – sogar auf Hochdeutsch. Es ist ein kleiner Beitrag, der speziell für unsere Verhältnisse gemacht ist.

 

Interview als PDF

LG_Info_Interview_Kern_WEB.pdf